Herbst/Winter 2016/2017

Neuigkeiten vom Moirhof- Herbst/ Winter 2016/17

Noch gar nicht so lange her, die letzten Neuigkeiten- und doch hat sich schon wieder einiges getan. Die letzten Tage und Wochen waren für mich persönlich sehr turbulent. Gleich zwei Auszeichnungen durfte ich entgegennehmen für unseren Betrieb. Am 26. September wurde mir von Landwirtschaftsminister Brunner der Ehrenpreis des Staatsministeriums im Wettbewerb „Bäuerin als Unternehmerin 2016“ übergeben. Schon bald darauf, am 18. Oktober war ich als Finalistin für den begehrten „Ceres Award“ in Berlin und wurde Siegerin in der Kategorie „Unternehmerin“.

Hört sich toll an, oder?

Tatsächlich ist es natürlich auch toll, ich fühle mich sehr geschmeichelt;-) Doch sehe ich momentan auch eine andere Seite, und die gefällt mir nicht ganz so gut. Hinter mir stehen 13 Menschen, die sich täglich für unseren Betrieb voll ins Zeug legen. Jeder Erfolg, den ich als Unternehmerin habe, ist untrennbar mit dem Engagement und dem Einsatz jedes Einzelnen unserer  Mitarbeiter verbunden. Mir persönlich ist das natürlich voll bewusst- doch was ist mit den anderen? Um ehrlich zu sein, ärgert es mich sogar ein bisschen, dass jetzt alle die Katharina Mayer aus Hirblingen anschauen wollen, als sei ich ein seltenes Tier oder die „letzte noch lebende Dronte“ wie unsere Mitarbeiterin Barbara so treffend nett formuliert hat. Sei´s drum, ich versuche jetzt erst einmal den Rummel so gut es geht zu genießen und ganz ehrlich will ich doch einfach nur meine Arbeit machen- und nicht nur davon im Fernsehen erzählen. .. Ersteres tue ich nämlich wirklich gerne.

Am meisten habe ich mich übrigens nicht über den großen Neuzulauf gefreut, sondern über unsere Stammkunden, die uns schon seit vielen Jahren jede Woche besuchen. Viele haben mir erzählt, wie sehr sie sich über die Auszeichnung für „Ihren“ Bauernhof gefreut haben, und wie sie natürlich alles ganz, ganz genau mitverfolgt haben.  Das hat mich natürlich auch sehr gefreut. Ich und mein ganzes Team im Hofladen genießen es, eine so persönliche Atmosphäre bei uns zu haben. Kennen wir doch die meisten beim Namen, sehen die Kinder aufwachsen und es bleibt doch immer mal wieder Zeit für ein kleines Gespräch. Das ist es, was uns allen so gut an unserer Arbeit hier auf dem Hof gefällt.

Nachdem es jetzt ja auch schon in der Zeitung stand und der Bauplan schon eingereicht ist, ist es nun wirklich kein Geheimnis mehr: Innerhalb der nächsten zwei Jahre werden wir das alte Bauernhaus, das leider schon sehr marode ist durch einen Neubau ersetzen- im gleichen Stil wie das jetzige natürlich. Geplant ist es, das Erdgeschoss komplett als neuen, geräumigen Hofladen mit kleinem Cafe zu nutzen. Was uns zu dieser Entscheidung bewegt hat, ist vor allem der ständige Platzmangel, der sicherlich nicht nur die Kunden, sondern uns selber, die da arbeiten müssen, auch wirklich nervt. Doch keine Angst: Ein Biosupermarkt werden wir sicher nicht, im wesentlichen wollen wir auch unser Sortiment nicht vergrößern- einfach nur Platz und einen entspannteren Einkauf für alle, das wollen wir. Und natürlich wollen wir auch, dass uns unsere Stammkunden im neuen Laden alle die Treue halten- doch bis der steht, ist es noch ein bisschen hin. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Mit neuen Kunden und einer gewissen Medienprominenz taucht auch immer wieder die Frage auf: Sind unsere Waren zu teuer? Kann es sich ein „Normalsterblicher“ leisten, die teuren Bioprodukte zu kaufen? Lohnt es sich regionale Produkte beim Bauern zu kaufen, obwohl es dann doch im Supermarkt viel billiger und komfortabler ist?

Meine Antwort, und die kommt immer promt und mit voller Überzeugung, ist: JA. Gute Lebensmittel können gar nicht teuer genug sein. Und wer der Meinung ist, Geld einsparen fängt primär beim Lebensmitteleinkauf an, der hat viele grundlegende Sachverhalte einfach nicht verstanden. Das schreibe ich jetzt übrigens nicht, weil ich Unternehmerin des Jahres geworden bin, und möglichst schnell reich werden will, sondern weil ich doch jeden Tag schwarz auf weiß sehe, welche Arbeit und welche Kosten es verursacht, wirklich hochwertige Lebensmittel zu produzieren.

Ein kleines Beispiel, um das zu verdeutlichen. Auf unserer Wiese tummeln sich den ganzen Sommer über 100 Hähnchen. Sie werden von einer kleinen Brüterei in Neumarkt- einem Familienbetrieb- ausgebrütet und angeliefert. Alle Hähnchen sind zusätzlich zum „Standard- Impfprogramm“ gegen Coccidiose geimpft, da wir keine Medikamente füttern- das kostet natürlich extra… Im Kükenstall werden die Hähnchen aufgezogen, dann werden sie in den Bauwagen auf die Weide umgesiedelt und dürfen dort noch bis zum Alter von ungefähr 15 Wochen wachsen. Morgens werden sie von einem Mitarbeiter rausgelassen, Mittags wird nach dem Rechten geschaut und eventuell noch nachgefüttert und Abends macht sich JEDEN Abend egal bei welchem Wetter noch einer auf, um die Hähnchen einzusperren. Leider lernen die nicht besonders schnell, wo sie Abends hinmüssen, und so kommt es oft vor, dass man- bevorzugt nach Regen- mit dem Kescher noch fünfzig Hähnchen, die sich unter dem Bauwagen verstecken, „hervorangeln“ muss. Ein RIESENSPAß…

Bevor ich den ersten Durchgang Hähnchen angeschafft habe, habe ich natürlich eine Wirtschaftlichkeitskalkulation gemacht. Anschaffungskosten, Kosten für Futter- durch Bewegung und längere Mast dreimal soviel wie beim Turbo- Hähnchen- Kosten für Stall, Futterbehälter und natürlich Lohnkosten für den Mitarbeiter, der täglich eine Stunde braucht, um die Tiere zu versorgen. Angesetzt habe ich 15 € brutto, ein Lohn, für den viele der Verbraucher vermutlich nicht arbeiten würden.  Kosten fallen natürlich auch durch die Schlachtung an- wir schlachten bei uns am Hof, für 100 Hähnchen arbeiten vier Leute einen Vormittag lang.

LOHN SICH DAS? NATÜRLICH NICHT.

Ein Kilogramm Hähnchen muss bei dieser Art der Haltung 11 € kosten, damit wir nicht draufzahlen. Damit ein bisschen was verdient ist, müssen wir 13 € verlangen. Somit kostet ein stolzer Gockel mit gut zwei Kilo knapp dreißig Euro.

Jetzt ist der Moment gekommen, in dem man sich mal kurz überlegen könnte, wieso es auch Hähnchen gibt, die pro Kilo nur 2,50 € kosten. Guten Appetit.

Ich habe jetzt lange ausgeholt, ich hoffe Sie habe die Essenz verstanden. Natürlich könnte man jetzt einen Betriebswirtschaftler zu Rate ziehen und wirtschaftlicher arbeiten. Erstmal 1000 statt 100, Rationalisierung und günstigere Mitarbeiter, günstigeres Futter, Outsourcing… Das haben viele auch schon gemacht und deshalb gibt es industrielle Tierhaltung, es wird uns so ermöglicht, ein günstiges Hähnchen zu kaufen.

Das machen wir nicht. Wir verlangen einfach den Preis, den es kostet. Jeder Verbraucher entscheidet mit seinem Einkaufsverhalten, wie sich unsere Landwirtschaft entwickelt und welche Strukturen entstehen.

Gerade wenn die Kunden bei mir Schlange stehen, habe ich keine Zeit, diese Zusammenhänge zu erklären. Entschuldigen Sie also bitte meine sehr ausschweifende Erklärung.

Zum Ende dieser wohl doch sehr persönlichen Neuigkeiten noch ein kleines Resumee:

Liebe Verbraucher, kauft gute Lebensmittel! Sucht Euch in eurer Nähe einen Bäcker, Metzger, Gärtner oder Landwirt eures Vertrauens, den ihr durch Euren Einkauf dabei unterstützen könnt, hochwertige Lebensmittel zu produzieren. Ja, wir sind Biolandwirte mit Leib und Seele- ihr könnt aber genauso gut bei einem konventionellen Landwirt oder Lebensmittelhandwerker einkaufen- nur tut es!

Macht Einkaufen wieder zu einem Erlebnis, schnuppert ein bisschen Stallluft und seid ein bisschen interessiert. Jeder Landwirt, jeder Handwerker freut sich, wenn ihr Euch ein bisschen für seine  Arbeit- Eure Lebensmittel- begeistert.

Greift zum Kochlöffel und stellt Euch an den Herd. Werft nix weg. Gönnt euch einen Sonntagsbraten, der so teuer ist, dass ihr nur noch an drei Tagen Fleisch essen könnt.

Genießt den Duft einer Karotte, wenn sie frisch aus der Erde gezogen wird und gönnt euren Kindern die Scheibe Gelbwurst, die sie beim Metzger um die Ecke- und nicht beim Discounter bekommen. Geht zum Handwerksbäcker und atmet den Duft von frisch gebackenem Brot ein.

Und ja, gute Lebensmittel dürfen teuer sein.

 

Eure Kathi Mayer

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